NSA, IT-Sicherheit und die Folgen : Mitten im Cyberwar – was sind unsere Optionen?

Aufzeichnung eineröffentlichen Veranstaltung am 13.03.2015 in Darmstadt

Wir waren zu Gast bei einer Veranstaltung des Bündnisses »Demokratie statt Überwachung«und der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit (IANUS) der TU Darmstadt.

Seit mehr als einem Jahr werden die von Edward Snowden nach und nach zugänglich gemachten Dokumente breit debattiert. Der Öffentlichkeit wurde durch seine Enthüllungen bewußt, in welchem Ausmaß Nutzerinnen und Nutzer von Internet und Kommunikationstechnik weltweit überwacht wurden und werden.
Edward Snowden hat auch aufgezeigt, dass aus der Überwachung häufig just die Daten gewonnen werden, die gebraucht werden, um IT-Systeme anzugreifen, zu kompromittieren oder gar zu zerstören. Der Einsatz von Angriffswerkzeugen gegen Computer ist inzwischen Alltag des »Cyber Warfare«. Etwa 100 Staaten verfügen über Militär- oder Geheimdiensteinheiten, deren Aufgabe der umfassende »Information Warfare« ist ‑ von der Aufklärung und Überwachung bis zur Zerstörung von IT-Infrastrukturen. IT-Systeme und Computernetzwerke sind damit nicht nur Werkzeuge der Überwachung, sondern auch selbst zum Gegenstand der Konfliktaustragung geworden.
Auf der Strecke bleiben Sicherheit und Zuverlässigkeit der zivilen IT-Infrastuktur. Schutz für die Zukunft bieten nur leistungsfähige und nachweislich sichere IT-Sicherheitsmechanismen. Für solche Werkzeuge ist jedoch entscheidend, ob und mit welchen Folgen diese durch die NSA kompromittiert sind. Über das Ausmaß dieser Eingriffe haben wir nach wie vor keine ausreichende Kenntnis. Damit stehen IT-Sicherheitsverantwortliche vor zwei grundlegenden Fragen: Wie läßt sich die Privatspähre im Internet noch technisch schützen, und welche Mittel sind überhaupt noch einsetzbar, um die Sicherheit der Computersysteme verantworten zu können?

Ingo Ruhmann arbeitet nach einem Studium der Informatik und Politikwissenschaft als wissenschaftlicher Referent und Lehrbeauftragter an der FH Brandenburg. Er ist eines der Gründungsmitglieder des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) e.V. und war mehrere Jahre lang FifF-Vorstandsmitglied. Er publiziert seit 30 Jahren zum Themenkomplex »Informatik und Militär«, Überwachung und Datenschutz.

Regina Hagen von der IANUS-Gruppe moderiert.

Die Veranstalter gaben uns die Erlaubnis, die Veranstaltung „abzuhören“ und die Tonaufnahme für alle Interessierten online zu stellen. Während der Diskussionsräume sind gelegentlich störende Nebengeräusche durch Stühle-Rücken und Ähnliches zu hören, die durch die Akkustik des Raumes verstärkt werden und mit unseren technischen Mitteln nicht bearbeitet oder entfernt werden können.

Sie können die Aufnahme hier anhören und herunterladen.

s. auch:

Dieser Text wurde teilweise aus dem Veranstaltungshinweis übernommen.

Pegida & Co.: Was sucht die Neue Rechte auf der Straße?

Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung aus der Reihe „Frankfurter Matinee“ am 1. März 2015 mit Michael Weiss, Agentur für soziale Perspektiven, Berlin

Es begann im Oktober 2014. Das Netzwerk “Hooligans gegen Salafisten“ (HOGESA) rief zum Kampf gegen Salafismus nach Köln und 4000 Menschen kamen. Sie zogen mit rassistischen Parolen durch die Straßen und lieferten sich Krawalle mit der Polizei. Hooligans, Rocker und Neonazis verbünden sich mittlerweile in einer reaktionären Männerwelt. Getrieben von Visionen vom „Untergang des Volkes“ spannen sie den Bogen von der angeblichen Bedrohung deutscher Familien und Kinder durch den Salafismus bis zur offenen Hetze gegen den Islam, gegen Ausländer, Geflüchtete, aber auch gegen Linke und alle abweichende Lebensentwürfe.
Es folgten weitere Demonstrationen in anderen Städten. In Dresden gründete sich die Gruppe “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida), die mit ihren Montagsspaziergängen viele Tausende anzog und bundesweit Ableger erzeugte. Weil man diffuse Ängste und Ohnmachtsgefühle schürt, kollektive Ängste und Bedrohungsmuster verstärkt, kann man all jene ansprechen, die sich als Verlierer in einem gesellschaftlichen Veränderungsprozess fühlen. Auffallend ist, dass zunehmen auch Konservative aus dem bürgerlichen Milieu mitmachen, die sich selbst nicht in die rechtsextreme Ecke stellen würden.
Wie kam es zum Zusammenschluss von Hooligans und Neonazis und darüber hinaus zum Bündnis der „Wutbürger“, welche Ziele stecken dahinter und wie kann man mit dieser neuen Protestwelle umgehen?
Michael Weiss ist für die Agentur für soziale Perspektiven und das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. tätig.
Es moderiert Ulrike Holler.
In der begleitenden Präsentation, die Michael Weiss vorführt, sind zu reinen Informationszwecken zahlreiche Fotos enthalten, auf die er in seinen Ausführungen eingeht. Diese Fotos zeigen vielfach verfassungsfeindliche Symbole und Schriftzüge aus der rechten Szene. Wir verzichten darauf, diese oder ähnliche Fotos zu zeigen oder zu verlinken. Außerdem wird während der Veranstaltung auszugsweise eine Rede einer Frankfurter Pegida-Aktivistin vorgeführt, von deren Inhalt wir uns vorsorglich ausdrücklich distanzieren.

Die Veranstalter Business Crime Control e.V. und KunstGesellschaft e.V. stellen eine Aufzeichnung zur Verfügung (mp3-Format, ca. 1 Stunde und 50 Minuten, ca. 37 MB). Sie können die Veranstaltung hier herunterladen und anhören.