Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon

Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Fernsehjournalisten Peter Onneken am 06.04.2014 in Frankfurt am Main
Millionen bestellen beim Online-Händler Amazon ihre Waren. Um pünktlich auszuliefern, bedarf es vieler Hände. Die aber gehören überwiegend Leiharbeitern aus ganz Europa, die für ein paar Wochen in enge Unterkünfte gepfercht werden und von Sicherheitsfirmen überwacht werden, denen man sofort kündigen kann, wenn es weniger Arbeit gibt. Sie müssen für einen geringen Stundenlohn im Akkord arbeiten und meistens schweigen, weil sie Angst haben und Entlassung befürchten. Diese bedrückende Atmosphäre der Ausbeutung machte eine ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon, moderne Sklaverei und Abzocke“ von Diana Löbl und Peter Onneken deutlich, für die die Autoren mehrfach ausgezeichnet wurden, die international beachtet wurde und Konsequenzen für die Sicherheitsfirma und ein Touristikunternehmen hatte.
Peter Onneken berichtet von der langen Recherche, den Schwierigkeiten bei den Aufnahmen, über das Schweigen der Verantwortlichen und die einstweilige Verfügung, mit der man die Autoren einschüchtern wollte. Die Frage ist aber auch: Hat die Dokumentation die Situation der Leiharbeiter verändert?
Es moderiert Ulrike Holler.

Die Veranstalter Business Crime Control e.V. und KunstGesellschaft e.V. machten eine Tonaufzeichnung der Veranstaltung und stellen sie als Download im mp3-Format auf der Online-Plattform „Podcaster“ zur Verfügung. Zu Beginn der Veranstaltung wird die ARD-Dokumentation ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon, moderne Sklaverei und Abzocke“ gezeigt; hier blenden wir die Tonaufzeichnung aus urheberrechtlichen Gründen aus. Sie können die Dokumentation aber hier anschauen.

Die Audio-Aufzeichnung (mp3, ca. 25 MB, ca. 1 Stunde, 12 Minuten) können Sie hier nachhören.

Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit

Claudia Pinl war Journalistin und Fraktionsmitarbeiterin der Grünen im Bundestag. Heute lebt und arbeitet sie als Publizistin und Autorin in Köln. Ihr neuestes Buch befasst sich mit den 23 Millionen Ehrenamtlichen, die sich unbezahlt für das Gemeinwohl engagieren. Im Zeitalter der Globalisierung setzen wesentliche Teile des Sozial- und Bildungswesens und der kommunalen Infrastruktur aufs Ehrenamt als Dauerlösung, weil sie kein Geld mehr für die originären Aufgaben des Wohlfahrtsstaates haben. Von den Ehrenamtlichen ist mindestens ein Drittel in Bereichen tätig, die bis vor kurzem als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge galten, das heisst: sie sind billiger Ersatz für bezahltes Personal. Das ökonomische Interesse am Ehrenamt wird verschleiert mit Rechtfertigungen wie: Das persönliche freiwillige Engagement produziert “soziales Kapital“ und schafft damit gesellschaftliche Integration, es hilft den Helfenden, macht zufrieden, vermittelt neue Einsichten, schafft Kontakte. Die Autorin zerstört in ihrem im Frankfurter Nomen-Verlag erschienenen Buch “Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit“ das schöne Bild vom ehrenamtlichen Engagement. Sie appelliert an die Freiwilligen, nicht länger den Ausputzer für politische Fehlentscheidungen zu machen.

Bei  einer öffentlichen Veranstaltung am 8. Dezember 2013 in Frankfurt am Main der gemeinnützigen Vereine Business Crime Control e.V. und KunstGesellschaft e.V. stellte Claudia Pinl ihre Erkenntnisse und ihr Buch vor. Es moderiert Ulrike Holler.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann hier im Audio-Format mp3 (ca. 1 Stunde, 55 Minuten. ca. 40 MB) nachgehört werden.